Archiv für April 2008

Embryotox-Telefon gefaehrdet?

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin gibt nicht nur das Buch „Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit“ heraus, sie haben auch ein Beratungstelefon.
Gedacht ist dieses fuer Aerzte und sonstiges medizinisches Personal (auch Hebammen und Stillberaterinnen), wenn sich diese bei der an Schwangere und Stillende unsicher sind, ob das Medikament geeignet ist bzw es besser geeignete Alternativen gibt.
Denn selbst Frauenaerzte/Innen sind in dem Bereich nicht immer auf dem neusten Stand.
Schlimmer noch wird es bei anderen Aerzten, wenn es um die Stillvertraeglichkeit geht.
Meine Zahnaerztin zB wollte mir allen ernstes zur Flasche/Abpumpen raten, wg Lokalanaesthesie…
Ich war dann sehr tapfer und habe sie ohne Betaeubung in meiner Zahnwurzel pulen lassen *Schulterklopf*.
Zunaechst hilft es sicher, dem Arzt diese Liste vorzulegen.
Bei spezielleren Fragen soll der Arzt bei Embryotox anrufen und sich beraten lassen (was ja eigentlich seine Pflicht ist… immer auf dem neusten Stand zu sein…). Nur in Notfaellen sollen die Frauen selber dort anrufen.
Offenbar gibt es aber genug Aerzte, die sich weigern, dort anzurufen und sich von Kollegen helfen zu lassen, oder die Frauen trauen sich nicht, ihrem Arzt das vorzuschlagen oder oder oder, jedenfalls rufen wohl vermehrt Frauen selbst dort an und dafuer ist dieses Telefon eben nicht gedacht („off-label-use“ sozusagen).
Deswegen gibt es Ueberlegungen, diese Nummer abzustellen.
Mal abgesehn davon, das man zu einem Arzt, der diese kostenlose Beratung nicht nutzen moechte, sondern lieber ein stillunvertraegliches Medikament verschreibt, eh nicht mehr gehen sollte:
bevor ihr selber dort anruft, ueberredet euren Arzt! Wenn das naemlich gut klappt und er/sie vorher Embryotox nicht kannte, koennen anschliessend auch andere Frauen und Babies von dem aufgefrischten Wissen des Arztes profitieren und mit stillfreundlichen Medikamenten behandelt werden.
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Kinderquaelen leicht gemacht:

Johanna Haarer

Zitat:
„dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen.“

Nur ganz leicht abgeschwaecht die Form, die einem heute noch begegnet:
„wenn du ihn jetzt hochnimmst, verwoehnst du ihn… lass ihn schreien, er muss lernen zu schlafen… das kind braucht einen rythmus, still ihn nach der uhr“ usw usf

Ganz, ganz ekelhaft.
Das diese Frau ein Kinderbuch mit dem Titel: „Mutter, erzaehl von Adolf Hitler“ geschrieben hat, wundert einen dann auch nicht mehr…

Werke:
-Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. München: Carl Gerber Verlag 1934 (erreichte in zahlreichen „bereinigten“ Versionen und späteren Titel „Die Mutter und ihr erstes Kind“ eine Gesamtauflage von mehr als 1,2 Millionen Exemplaren)
-Säuglingspflege für junge Mädchen. Unterrichtsbuch für Schulen. Esslingen: Burgbücherei 1937 (1964 9. Auflage)
-Mutterschaft und Familienpflege im neuen Reich. Volksbildungskanzlei München des Landesverbandes für nationale Volkserziehung. Basiert auf einem Vortrag mit dem Titel „Das verwaiste Kind und seine Stellung in der Volksgemeinschaft“ 1937
-Unsere kleinen Kinder, München: Lehmann Verlag 6. Auflage 1940 (erschien in weiteren Auflagen bis 1964)
-Mutter, erzähl von Adolf Hitler. Ein Buch zum Vorlesen, Nacherzählen und Selbstlesen für kleinere und größere Kinder. Mit 57 Strichzeichnungen von Rolf Winkler. München: Lehmann 1939 (zahlreiche Neuauflagen)
-Frau sein und gesund bleiben. München: Gerber 1950, 1952
-Gesund und schön durchs Leben gehen. Eine ländliche Gesundheitsfibel. München: Bayrischer Landwirtschaftsverlag 1952
-Grosse Kinder – grosse Sorgen. Kinder in der Reifezeit. Frankfurt: Humboldt Verlag 1954 (zusammen mit Esther von Reichlin)
-Unsere Schulkinder. München: Verlagsanstalt Gerber 1950, 1955, 1959, 1965
-Mein Strickbuch. München: Verlagsanstalt Gerber 1950, 1951
-Die Welt des Arztes. Ein medizinisches Buch für Ausländer. München: Hueber Verlag 1957, 1962
-Kinder auf dem Bauernhof Wien: Bayerischer Landwirtschaftsverlag 1957 (Mitarbeit)
-Deutscher Alltag: Ein Gesprächsbuch für Ausländer. München: Hueber Verlag 1959, 1960, erschien 1962 in Stockholm

Update:

Kulturelles Erbe

Der Erziehungsratgeber vergangener Tage schlechthin ist „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, bzw. „Die Mutter und ihr erstes Kind“. Johanna Haarer veröffentliche dieses Werk 1934 (und weitere folgten) und legte damit einen Grundstein für den Erziehungsstil der kommenden Jahrzehnte. Die letzte Auflage erschien 1987. „Haarers Bücher galten als praktisch. Sie waren aber auch politische Propagandaschriften. Und es wurde in ihnen eine „Pädagogik“ vertreten, die ausdrücklich auf das nationalsozialistische System hin erziehen sollte.“ (Chamberlain) Die hohe und häufige Auflage des Buches lässt den Schluss zu, dass es sich um ein lange sehr verbreitetes Buch gehandelt hat. Es hat u.a. einige Stillregeln zum Inhalt. Diese sehen bereits von Beginn an eine nächtliche Fütterungspause von 8 Stunden vor. Diese Nachtpause darf nur im Falle von nicht ausreichender Gewichtszunahme mit einer Stillmahlzeit unterbrochen werden. Ausserhalb dieser Trinkzeiten darf das Kind nicht aufgenommen werden. Es verbleibt in seinem separaten Bettchen, im „Optimalfall“ im separaten Raum. Spätestens mit der vermehrten Zufütterung ab dem 6.Monat sollte diese Pause jedoch eingehalten werden. Eine Begründung bleibt die Autorin schuldig. Dass hier die Mutter geradezu angewiesen wird, ihr Kind schreien zu lassen, erschliesst sich bei der Lektüre fast von selbst. Nachdem sie eine Reihe von möglichen Ursachen abgeklopft (Wundsein, nasse Windel, Lärmbelästigung) und versucht hat, Abhilfe zu schaffen (trockenlegen, ggf. Wundversorgung, für Ruhe sorgen, Schnuller anbieten) heisst es bei Haarer: „Versagt auch der Schnuller, dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, dass Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf den Schoß zu halten.“ Gehen wir nun davon aus, dass sich diese Lehren auch die vielen Jahre bis zur letzten Auflage 1987 gehalten und Anklang gefunden haben, so lässt sich vermuten, dass dieses Werk eine Ursache für die „magische 6-Monatsgrenze“ sein könnte.

von der (empfehlenswerten) Seite ferbern.de

English Excerpt:
I found this Wikipedia-Entry on Johanna Haarer, the evil Nazi „educationist“.
Most of her books were still in print long after 1945.

hey, kleiner styler!

Im Internetz steht auch mal Quatsch (ganz neue Erkenntnis)…

Hier zb die alte Dame „Zwiemilch“.
Auch schoen Panne: „der Saeugling soll die Mutterbrust nicht zum Nuckeln verwenden“. ‚Ja, wo soll er denn dann sein Saugbeduerfnis stillen, etwa an einem Schnuller?

Und der Artikel bei stillen.de, den man angeblich nicht direkt verlinken kann, findet sich hier: Gedeihstoerungen bei Stillkindern

Fakten, die nur andere „Betroffene“ interessieren ;-)

Mit 3 Wochen hat mein Junge schon 1kg zugenommen!!
Stillen klappt super, ohne Probleme.
Ausserdem ist der Junge extrem gut drauf, pennt nachts bis auf 2-3 Unterbrechungen (dann gibt es was zu trinken und dann wird weiter geschlafen, hoechstens mal ne neue Windel) tief und fest, tagsueber wird auch zwischendurch immer geschlafen, ansonsten gelacht und gehampelt und nur abends gegen 9 mal etwas mehr gemeckert.
Klamotten in Groesse 62 passen teilweise schon.
Ich bin fasziniert!
Ende April geht PEKIP los, da wird er zwar der juengste sein, aber das kriegt er schon hin.